Elliott-Wellen-Prinzip-Fibonacci
Ralph Nelson Elliott
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat der amerikanische
Mathematiker Ralph Nelson Elliott (1871-1948) mit dem nach ihm
benannten Elliott-Wellen-Prinzip
ein Instrument zur technischen
Analyse
des globalen Aktienmarktes
geschaffen. Was genau verbirgt sich hinter
dem Elliott-Wellen-Prinzip? Das Elliott-Wellen-Prinzip beruht auf der
grundlegenden Annahme, dass nicht
aktuelle Wirtschaftsnachrichten die Kurse beeinflussen,
sondern die treibende Kraft hinter den Märkten massenpsychologische
Verhaltensphänomene sind. Das Elliott-Wellen-Prinzip versucht nun, diese Verhaltensphänomene in so genannten Wellenbewegungen zu
erfassen. In der über hundertjährigen Dokumentation
der Kursbewegungen
lassen sich, bei Zugrundelegung des Elliott-Wellen-Prinzips regelmäßig wiederkehrende Kurswellen beobachten. Ralph Nelson Elliott
schlussfolgerte daraus, dass ein direkter
Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung und dem Verhalten der
Marktteilnehmer besteht. Analog beobachtet das Elliott-Wellen-Prinzip,
dass das Verhalten der Anleger ebenfalls gewissen wiederkehrenden
wellenartigen Rhythmen unterworfen ist. Aus diesem Grund geht das
Elliott-Wellen-Prinzip auch weit über die Analyse der Aktienmärkte
hinaus und wird heute ebenfalls in den Socionomics, einer
Teildisziplin der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaft,
herangezogen, um Vorhersagen über mögliche soziale,
historische und politische Tendenzen eines Landes treffen zu
können. Elliott-Wellen-Prinzip im Aktienmarkt
Was genau verbirgt sich nun aber wirklich hinter dem
Elliott-Wellen-Prinzip? Das Elliott-Wellen-Prinzip basiert auf einer Wellenbewegung, die
sich aus fünf
Aufwärtswellen, den so genannten Impulswellen, und drei Abwärtswellen zusammensetzt. Die erste, dritte und fünfte Wellen sind die Impuls- oder Antriebswellen.
Als Korrektur- oder Abwärtswellen gelten die Wellen zwei und
vier. Damit sagt das Elliott-Wellen-Prinzip aus, dass die Entwicklung der Kurse am Markt generell aus fünf Aufwärtsbewegungen und drei
Abwärtsbewegungen besteht. Aus diesem Bewegungskomplex
entsteht so im Elliott-Wellen-Prinzip Welle um Welle, die sich
unendlich weiter fortsetzen. Bezogen auf den Aktienmarkt bedeutet
das Elliott-Wellen-Prinzip, dass sich die Preise in fünfer
Wellenschritten nach oben und im Dreierschritt nach unten bewegen, man
spricht dann von einer 5-3-Sequenz des Elliott-Wellen-Prinzip.
Stellt man die Wellen im
mathematischen Verhältnis zueinander dar, kommt
man beim Elliott-Wellen-Prinzip zu erstaunlichen Ergebnissen: Werden
die drei Korrekturwellen durch die fünf Aufwärtswellen dividiert, so erhält man als Ergebnis 0,6. Diese Zahl kommt dem
goldenen Schnitt, der so genannten ‚göttlichen
Teilung’, die schon Euklid erwähnt, sehr nah. Der goldene Schnitt besagt, dass eine Strecke AB durch einen Punkt E so geteilt wird, dass
der größere Abschnitt AE die mittlere Proportionale
der ganzen Strecke AB und dem kleineren Abschnitt BE ist. Aus diesem
Grund wird der goldene Schnitt auch als das absolute Maß bei
Kunstwerken, insbesondere Werken der Antike und der
Renaissance, angesetzt. Für das Elliott-Wellen-Prinzip
bedeutet diese Analogie, dass viele Analysten davon ausgehen, dass es
dem goldenen Schnitt sehr nahe kommt und ein absolutes Prinzip
darstellt. Damit geht das Elliott-Wellen-Prinzip für viele seiner Anhänger weit über die
Analyse des Aktienmarktes hinaus. Sie glauben, dass das
Elliott-Wellen-Prinzip ein mathematischer Beleg dafür ist,
dass sich dahinter der Bauplan einer absoluten Intelligenz, von einigen
Gott genannt, verbirgt. Die Zahl
0,618 – die den goldenen Schnitt in
seiner zahlenhaften Verhältnismäßigkeit
ausdrückt – ist demnach nicht nur der Analyse von Aktienkursen zugrunde zu legen, sondern findet sich in vielfältigen
Bereichen des menschlichen Lebens wieder.
Somit hat das
Elliott-Wellen-Prinzip hierzu ebenfalls einen Bezug. Als
Beispiel wird häufig der menschliche Körper
angeführt. Wenn man die Größe eines
Menschen mit 0,618 – also auch der Zahl der
Verhältnismäßigkeit der Wellenbewegungen
des Elliott-Wellen-Prinzip zueinander – multipliziert,
erhält man als Resultat die Größe der
entsprechenden Person bis zum Bauchnabel. Weitere Bezugspunkte sind
unsere fünf Finger, die jeweils aus drei Gliedern bestehen.
Also finden die Zahlengrundlagen
des Elliott-Wellen-Prinzip tatsächlich konkrete Anwendung auf den Körper des
Menschen. Auch auf Pflanzenstrukturen lässt sich, im
übertragenen Sinne, die das Elliott-Wellen-Prinzip anwenden:
Die kleinste Rose eines Blumenkohls ist nach einem bestimmten Bauplan
entstanden. Dieser Bauplan setzt sich vom Kleinen ins Große fort. So wie das kleinste Röschen gebaut ist, ist auch der ganze Blumenkohl angelegt. Daraus leitet man den Grundsatz ‚Gleiches aus Gleichem in demselben Verhältnis, aber in verschiedenen Größen’, ab. Bezogen auf das Elliott-Wellen-Prinzip bedeutet dies, dass seine Wellenbewegung sich stetig weiter und weiter fortsetzt, eben unendlich ist. Ralph Nelson Elliott hat sich bei der Erforschung des Elliott-Wellen-Prinzip jedoch nicht damit begnügt, die Wellensequenz lediglich von außen zu betrachten. Er kam bei seinen Forschungen zum Eliott-Wellen-Prinzip zu dem Schluss, dass wiederum kleine Unterwellen die großen Wellen bilden. Diese Unterwellen bestehen erneut aus noch kleineren Wellen. Die jeweils kleineren Wellen haben aber alle die gleiche Struktur von Auf- und Abwärtsbewegungen, wie die größeren, denen sie zugrunde liegen. Also ist das Elliott-Wellen-Prinzip eine unendliche Wellensequenz in sich.
Fibonacci Zahlen
Damit ist auch ein weiteres Theorem des Elliott-Wellen-Prinzip,
die Fibonacci Zahlen ins Spiel gebracht. Die Fibonacci Zahlen sind mehr als zweitausend
Jahre alt. Bereits in vorchristlicher Zeit beschäftigte sich
nachweislich der Sanskrit-Grammatiker Pingale mit der Fibonacci
Zahlenfolge. Er benutzte die Fibonacci
Zahlen, um mathematisch die
regelmäßige Abfolge langer und kurzer Silben in
Gedichtversen zu analysieren. Im Mittelalter setzte sich der
italienische Mathematiker Leonardo da Pisa mit den Fibonacci Zahlen
auseinander. Sein Name, figlio di Bonacci – der Sohn des
Bonacci, sollte auch den Begriff Fibonacci prägen.
Später wollten andere Mathematiker die Entdeckung der
Fibonacci Zahlen für sich in Anspruch nehmen, hatten aber
keinen Erfolg damit, da die Fibonacci Zahlenfolge schriftlich
dokumentiert war als série de Fibonacci, Fibonacci sequence
oder successione di Fibonacci.
Was genau verbirgt sich nun hinter dem Begriff Fibonacci? Die Fibonacci
Folge beschreibt eine unendliche Zahlenreihe, der eine bestimmte Formationsregel
zugrunde liegt. Genauer gesagt werden die Fibonacci Zahlen gebildet,
indem als Ausgangszahlen Null und Eins vorgegeben werden. Alle
folgenden Zahlen der Fibonacci
Reihe ergeben sich aus der Summe der beiden vorangehenden.
Also 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8,
13, 21, 34, ... Leonardo da Pisa alias Fibonacci hat die
Gesetzmäßigkeit der Fibonacci Zahlen anhand der
Vermehrung einer Kaninchengruppe veranschaulicht. Zwei geschlechtsreife
Kaninchen erzeugen Nachwuchs, davon ist wiederum jedes neue Paar
bereits mit acht Wochen, also im zweiten Monat, geschlechtsreif. Jedes
dieser geschlechtsreifen Paare erzeugt pro Monat ein weiteres Paar.
Voraussetzung für eine Anwendung der Fibonacci Zahlenreihe ist
allerdings, dass die Tiere in ihrer Summe erhalten bleiben, keines
weggenommen wird und keines dazu kommt. Berechnet auf einen Zeitraum
von zwölf Monaten erhielt Fibonacci in seiner Kaninchengruppe
genau die Vermehrungsrate, die exakt der Zahlenfolge der Fibonacci
Reihe entspricht: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 ... Viele Mathematiker haben sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte mit den Fibonacci Zahlen beschäftigt. Zu ihnen gehörte auch Johannes Kepler. Er fand heraus, dass der Quotient von zwei aufeinander folgenden Fibonacci Zahlen dem goldenen Schnitt entspricht. Er ging jedoch noch weiter und stellte diese Quotienten in Form von Kettenbrüchen dar.
Die Quotienten dieser Kettenbrüche der Fibonacci Zahlen entsprechen dem goldenen Schnitt, sind also damit unendliche Kettenbrüche. Und damit ist die Analogie zwischen den Fibonacci Zahlen und dem Elliot-Wellen-Prinzip nicht nur mathematisch belegt, sondern auch äußerst anschaulich verdeutlicht worden.
Ob nun die Fibonacci Zahlen, das Elliott-Wellen-Prinzip und der goldene Schnitt Indizien für ein allen Lebensvorgängen im menschlichen oder pflanzlichen Bereich bis hin zu den Aktienmärkten zugrunde liegendes göttliches Bauprinzip sind, muss jeder für sich entscheiden.